Selbstheilung/Selfhealing

Deutsche Fassung,  English Version see below

M  E  I  N    “ N  I  C  H  T  S “ 

Wie die Pflanze die ihre Wurzeln vergessen hatte.

In 1980 ger Jahren, ca. 5 Jahre in Neuseeland lebend,
entwickelte
sich mir eine zunehmende Lähmung, die sich
vorwiegend in den Beinen zeigte. Nach zirka drei Jahren
wurde die Situation so schwierig, dass ich darüber nach
dachte mir einen Rollstuhl anzuschaffen.

Als ich dann eines Tages auf meinem Sofabett lag – die
Hände auf 
meinen Oberschenkeln – murmelte ich immer
wieder so vor mich hin: 
„Ich fühle nichts, absolut nichts.“
Immer wieder die gleiche Feststellung.

Schliesslich fragte ich mich: “Hab’ ich denn überhaupt
mal versucht in 
meine Beine hinein zu fühlen und dabei
wirklich hin zu fühlen, wie sich “ Nichts “ tatsächlich
anfühlt? Dieser Gedanke brachte mir dann etwas
Beruhigung.

Also legte ich meine Händen wieder auf meine
Oberschenkel und fühlte
in die Beine hinein. Und tatsächlich,
sofort war da was – eine Art nebliges Gefühl.  Beinahe wäre
ich in diese F a l l e gegangen.

Doch glücklicher Weise realisierte ich, dass das wirklich nur
ein spontaner Gedanke, ein Wort war, das schneller hoch
kam, als dass sich mir ein
körperliches Gefühlt in meinen
Beinen, hätte zeigen können.  
Dafür hätte ich ganz sicher
mehr Zeit gebraucht.

Also versuchte ich Immer wieder in meine Beine hinein zu
fühlen und dabei
schneller zu sein, als diese blitzschnell in
mir aufkommenden Worte – 
oh dieses Denken, was sofort
wissen will was es fühlt.

Was konnte ich bloss tun um mich körperlich bewusst zu
fühlen, zu spüren und das wenigstens ein bisschen
unabhängig von Worten. R a u m, ja ich brauchte
R a u m
und den Segen von Stille.

So versuchte ich nun mit der innerlichen Produktion von
Worten, wenigstens  l a n g s a m e r  zu werden. Das gelang
zumindest ein wenig, doch immerhin
so weit, dass ich den
Raum  z w i s c h e n den Worten entdecken konnte.

Ach, du liebe Zeit und diese Räume waren ja so klein und
immer noch und immer noch. Dennoch
gelang es mir, mich
darin allmählich ein bisschen 
mehr auszudehnen.

 Ah – und in einem dieser Räume zeigte sich plötzlich, aus
dem Inneren eines
Beines, eine feine Empfindung, fast wie
ganz feine Bewegungen, wie bizzeln.

Was immer es war, was immer es ist, ganz klar, ich fühlte
L e b e n !  Was für eine  F r e u d e !

Was für eine Befreiung !  Das Mysterium vom  ‚Nichts‘  hatte
sich eindeutig 
gelöst. Bald spürte ich mich in diesem
L e b e n d i g g e f ü h l sogar im Kopf
und allmählich, kaum
zu fassen, von Kopf bis Fuss als Ganzes Sein.

Diese Entdeckung bedeutete nun nicht, dass ich damit
geheilt war. Ich 
hatte noch nicht mal daran gedacht dieses
Geschehen mit Heilen zu 
verbinden. Dennoch, das Alles war
und ist ein riesiges Geschenkt !

Doch im Laufe von einigen Wochen wurde mir allmählich
deutlich, dass es da
wohl eine Verbindung gäbe, eine
Verbindung zwischen meinem, 
immer wieder in mich hinein
fühlen, mich körperlich wirklich als körperlich gewordenes
Dasein in meinem  L e b e n d i g s e i n  zu spüren und der
Tatsache,
dass ich mich von da an stetig fitter fühlte und
mich rundherum mit mehr
Leichtigkeit bewegen konnte.

Und noch etwas, was mir allmählich immer mehr auffiel,
dass ich deutlich  a n g s t f r e i e r  
geworden war. Und so
freue ich mich auch weiterhin in dieser wundervollen
bewussten Einheit – geistig, körperlich, ein bewegt,
bewusstes Dasein.

Mittlerweile fühle ich mich wie eine Pflanze, die ihre Wurzeln
vergessen 
hatte. Und wie konnte sie nur ihre Wurzeln
vergessen ?  Sie konnte es – da sie ihre Wurzeln, im Grunde
ihr ganzes körperlich gewordenes Dasein, kaum mehr
anders als gedanklich zu fassen bekam.

Was für ein Glück für die Pflanze ihre Einheit wieder
gefunden zu haben 
und was für ein Glück diese Einheit, je
nach Gegebenheit, immer wieder 
auf’ s Neue zu finden.

Marianne Wex, letzte überarbeitete Form, 2016.
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English Version:

M Y  “ N O T H I N G ”

In my mid forties – while living in NewZealand –
I experienced a growing paralysis, mainly pertaining to my
legs. After about three years the situation became so
unbearable that I thought of getting a wheelchair.

One day when lying on my sofa-bed, hands on my thighs,
I mumbled and mumbled, always the same statement:
“I feel nothing, I feel nothing…”. Finally I asked myself:
“Have I ever tried to feel what – nothing – really feels like ?”
That thought did actually calm me down a bit.

So I put my two hands onto my thighs and felt into my legs
and immediately there was something – a somehow foggy
feeling. I almost stepped into this  t r a p . Yes, but luckily
I realized that these were only words, only a thought, that
came up and  much faster then I could have established a
bodily feeling in my legs – that definitely would have taken
up m o r e  t i m e .

Again and again I  tried to feel myself, inside of my legs and
with that, being quicker than my mind,  oh – this mind –
wanting to know immediately what it felt.

What could I do, to feel, to sense, to become bodily aware,
at least a bit independent of words. Space, yes, I  needed
s p a c e  and  s t i l l n e s s.

So I tried, to at least slow down with this inner production
of words and slowly, yes slowly – I really did get slower –
and discovered the space, 
this aliveness in between
the words.

Oh dear, this space was still so small.  However, I finally
got better extending these spaces in between the words
and suddenly, in one of them I felt a fine sensation coming
up from inside of my legs, it felt almost like something very
subtly moving, very subtly almost tingling.

Whatever it was, surely what I felt was life, aliveness ! What
a joy ! What a relief !  The mystery of feeling “nothing” was
clearly unravelled.

This discovery didn’t mean that from now on I was healed.
I didn’t even think of connecting any of what was just
happening with healing. Still, it was and is, a huge present
really feeling, really sensing life, aliveness from inside and
step by step from inside of the whole body.

After many weeks I finally realized, that there must be a
connection between directing my attention into my body
and really feeling and sensing aliveness and the fact that
from now on, moving around and feeling fitter, happened
much more at ease.

And – since round about that time I found myself
increasingly  f e a r l e s s .  P r a i s e d  be the wonderful
oneness of bodily and mental awareness – one aware
being.

By now – I feel like a plant that forgot her roots, by not
feeling herself as earthly as she became. And what a joy,
finding her oneness again and again.

Marianne Wex, last revised edition 2016

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