Heilen/Healing

Deutsche Fassung
English Version, please skroll down

Marianne Wex
Ein persönlich, autobiografischer Bericht
über 
Heilen.

Mein  “  N  I  C  H  T  S  “
Ich fühle Nichts – w
ie die Pflanze die ihre
Wurzeln vergessen hatte.

In 1980 ger Jahren, zirka 5 Jahre in
Neuseeland lebend, entwickelte
sich in
mir eine zunehmende Lähmung, die sich
vorwiegend in den Beinen zeigte.
Nach etwa drei Jahren wurde die
Situation so schwierig, dass ich
darüber nachdachte mir einen Rollstuhl
anzuschaffen.

Als ich dann eines Tages auf meinem
Sofabett lag, die Hände auf 
meinen
Oberschenkeln, murmelte ich immer
wieder so vor mich hin: 
„Ich fühle nichts,
absolut nichts.“ Immer wieder die
gleiche Feststellung.

Schliesslich fragte ich mich: “Hab’ ich
denn überhaupt mal versucht in 
meine
Beine hinein zu fühlen und dabei wirklich
hin zu fühlen, wie sich dieses  N i c h t s
anfühlt? Das brachte mir erstmal
etwas Beruhigung.

So legte ich meine Händen wieder auf
meine Oberschenkel und fühlte
in die
Beine hinein,  P a u s e ,  j a ,  da war
was, eine Art  n e b l i g e s   G e f ü h l  .
Oh, beinahe wäre ich in diese  F a l l e
gegangen, nicht weiter dran zu bleiben.

N e b l i g ,  um dieses körperliche Gefühl
durchgehend präsent fühlen zu können,
würde ich sicher mehr Zeit brauchen.

Also versuchte ich immer wieder in
meine Beine hinein zu fühlen ohne

dieses blitzschnell aufkommende Wort
n e b l i g  .  
Oh, dieses  W o r t  ,  immer
wieder schneller als das fühlen. 

Was konnte ich bloss tun ?  Wahrnehmen
und wenigstens ein bisschen
unabhängig vom Wort.  R a u m,  ja ich
brauchte 
R a u m,  den Segen von innerlich
auch körperlich wortlosem Spüren, Fühlen.

So versuchte ich mit der innerlichen
Produktion von Worten, ja von Worten
überhaupt, wenigstens  l a n g s a m e r
zu werden. Das gelang zumindest ein
wenig 
so weit, dass ich den Raum zwischen
den Worten
entdecken konnte, 
doch immer
noch so klein. Geduld, Geduld verlass‘
mich nicht. 

 A h ,  d o c h  i n  e i n e m  d i e s e r ,
jetzt verlängerten  Z w i s c h e n r ä u m e,
da war was aus dem Inneren eines
Beines, nicht neblig wie vorher, sondern
eine feine Empfindung, wie ganz feine
Bewegungen, wie bizzeln,  auf  jeden
L e b e n  ein  L e b e n d i g g e f ü h l  und
es blieb stabil wann immer ich in meine
Beine hinein fühlte.

Was für eine Befreiung !  Das Mysterium
vom  ‚Nichts‘  hatte sich
gelöst. Bald spürte
ich mich in diesem L e b e n d i g g e f ü h l
sogar im Kopf
und allmählich, kaum zu
fassen, von Kopf bis bis in die Füsse und
die Fingerspitzen, das Ganze Sein.

W a s  f ü r  e i n e  F r e u d e  e i n
r i e s e n  G e s c h e n k  !

Damals in NeuSeeland wurde mir erst
im Laufe einiger Wochen 
deutlich, dass
es da 
wohl eine Verbindung gäbe,
zwischen meinem, 
immer wieder in mich
hinein fühlen, mich körperlich wirklich in
meinem  L e b e n d i g s e i n  zu spüren
und der Tatsache,
dass ich mich stetig
fitter fühlte und ich mich rundherum
mit mehr
Leichtigkeit bewegen konnte.

Und noch etwas, was mir ebenfalls
allmählich immer mehr auffiel, dass ich
deutlich  a n g s t f r e i e r  
geworden war.
F r e u d e,   F r e u d e,  s o  v i e l
G l ü c k , Dank dem Leben rundherum.

Mittlerweile, nach all der Zeit, fühl‘ ich mich wie eine Pflanze,
die ihre Wurzeln vergessen 
hatte. Wie konnte sie nur ihre
Wurzeln vergessen ?  Sie konnte es wohl – da sie ihre Wurzeln,
im Grunde ihr ganzes körperlich gewordenes Erden-Dasein,
wie früh verinnerlicht, kaum mehr anders als wörtlich,
gedanklich, zu fassen bekam. 

W a s  f ü r  e i n  G l ü c k  f ü r  d i e  P f l a n z e  ihre
Wurzeln wieder gefunden zu haben und 
je nach Gegebenheit,
immer wieder 
auf’ s Neue zu finden .

Marianne Wex, letzte überarbeitete Form, 2018.
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English Version:

Marianne Wex, some personal notes on healing, self healing.

M Y  “ N O T H I N G ”
Feeling Nothing but Nothing,
like a plant that forgot her roots.

In my mid forties – while living in NewZealand –
I experienced a growing paralysis, mainly pertaining to
my legs. After about three years the situation became so
unbearable that I thought of getting a wheelchair.

One day when lying on my sofa-bed, hands on my thighs,
I mumbled and mumbled, always the same statement:
“I feel nothing, I feel nothing…”. Finally I asked myself:
“Have I ever tried to feel what – nothing – really feels like ?”
That thought did actually calm me down a bit.

So I put my two hands onto my thighs and felt into my legs
and immediately there was something – a somehow foggy
feeling. I almost stepped into this  t r a p . Yes, but luckily
I realized that these were only words, only a thought, that
came up and  much faster then I could have established a
bodily feeling in my legs – that definitely would have taken
up m o r e  t i m e .

Again and again I  tried to feel myself, inside of my legs and
with that, being quicker than my mind,  oh – this mind –
wanting to know immediately what it felt.

What could I do, to feel, to sense, to become bodily aware,
at least a bit independent of words. Space, yes, I  needed
s p a c e  and  s t i l l n e s s.

So I tried, to at least slow down with this inner production
of words and slowly, yes slowly – I really did get slower –
and discovered the space, 
this aliveness in between
the words.

Oh dear, this space was still so small.  However, I finally
got better extending these spaces in between the words
and suddenly, in one of them I felt a fine sensation coming
up from inside of my legs, it felt almost like something very
subtly moving, very subtly almost tingling.

Whatever it was, surely what I felt was life, aliveness ! What
a joy ! What a relief !  The mystery of feeling “nothing” was
clearly unravelled.

This discovery didn’t mean that from now on I was healed.
I didn’t even think of connecting any of what was just
happening with healing. Still, it was and is, a huge present
really feeling, really sensing life, aliveness from inside and
step by step from inside of the whole body.

After many weeks I finally realized, that there must be a
connection between directing my attention into my body
and really feeling and sensing aliveness and the fact that
from now on, moving around and feeling fitter, happened
much more at ease.

And – since round about that time I found myself
increasingly  f e a r l e s s .  P r a i s e d  be the wonderful
oneness of bodily and mental awareness – one aware
being.

By now – I feel like a plant that forgot her roots, by not
feeling herself as earthly as she became. And what a joy for
for this plant rediscovering and f e e l i n g  her roots again
and again.

Marianne Wex, last revised edition 2016